Lissabon – Stadt der sieben Hügel

Parque Eduardo VII de Inglaterra mit Blick auf den Rio Tejo

Parque Eduardo VII de Inglaterra mit Blick auf den Rio Tejo

Nach der Bierfahrt im Vorjahr stand nach längerer Zeit wieder einmal eine mehrtägige Kulturreise in eine europäische Hauptstadt – diesmal Lissabon – auf dem Programm. Kaum gelandet, erlaubte eine Stadtrundfahrt den gut zwei Dutzend Teilnehmern, einen ersten Eindruck von der „Stadt der sieben Hügel“ zu gewinnen und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu erspähen: Auf der Praça Marquês de Pombal erinnert ein Denkmal an Sebastião José de Carvalho e Mello, den ersten Minister Portugals und bedeutendsten Staatsmann des Landes im 18. Jahrhundert. Als 1755 weite Teile Lissabons durch ein großes Erdbeben zerstört wurden, erfolgte unter seiner Regentschaft ein umfangreiches Wideraufbauprogramm. Entlang der Avenida da Liberdade, einer dem Vorbild der Pariser Avenue des Champs-Élysées nachempfunden Prachtstraße mit herrlichen Palmen und Platanen, gelangte man zur Praça dos Restauradores. Deren zentraler Obelisk gemahnt an den Restaurationskrieg von 1640 bis 1668, an dessen Ende das Königreich Portugal nach mehr als 80-jähriger Herrschaft die Unabhängigkeit von Spanien erlangte. Auf dem Weg zur Praça do Comércio konnte man bereits einen ersten Blick auf die berühmte Standseilbahn Elevador da Gloria sowie den 45 Meter hohen Personenaufzug Elevador de Santa Justa erhaschen. Der Weg zum Hotel führte am Parque Eduardo VII de Inglaterra, dem größten Park Lissabons, vorbei. Von dessen höchstem Punkt bot sich ein traumhafter Ausblick auf die von der Abendsonne erleuchtete Stadt und den Rio Tejo, dem größten Fluss der iberischen Halbinsel mit seinem natürlichen Hafenbecken. Im Hotel angelangt, ließ man den Tag bei einem gemeinsamen Abendessen und anschließend in der Hotelbar gemütlich ausklingen.

Innenraum der teilweise zerstörten Igreja de São Domingos

Innenraum der teilweise zerstörten Igreja de São Domingos

Der Stadtrundgang am zweiten Tag begann mit der Besichtigung der Igreja de São Domingos, einer Mitte des 13. Jahrhunderts erbauten und 1959 durch eine Feuersbrunst stark beschädigten Kirche. Im Zuge der Renovierungsarbeiten wurden zwar die Altäre saniert, nicht jedoch die Brandspuren an den Säulen und Bodenplatten, was zu einer außergewöhnlichen Anmutung dieser Saalkirche führt. Der daneben gelegene Praça de D. Pedro IV, ist einer der drei wichtigsten Plätze Lissabons und Hauptzentrum der Innenstadt, an dessen Westseite sich der Bahnhof Rossio befindet. Weiter nördlich erklimmt die Standseilbahn Elevador da Gloria den Anstieg zum 48 Meter höher gelegenen Bairro Alto, dem Zentrum des Lissabonner Nachtlebens. Vom gleich neben der Endhaltestelle gelegenen Stadtgarten Miradouro São Pedro de Alcântara präsentieren sich die Lissabonner Altstadt und das über ihr thronende Castelo de São Jorge von ihren schönsten Seiten. Über die engen Gassen des Kneipenviertels und die Praça Luís de Camões erreichte man den Elevador de Santa Justa, einen 45 Meter hohen Personenaufzug mit Aussichtsplattform, mit dem man zurück in die Unterstadt Baixa gelangte. Am östlichen Ende dieses Stadtviertels führte der Weg am Kastell vorbei in Lissabons ältesten Stadtteil Alfama. Vom Miradouro das Portas do Sol, einem über den Dächern der Altstadt gelegenen Aussichtpunkt, bot sich ein atemberaubender Blick auf die Unterstadt und den Rio Tejo. Durch Alfamas schmale und verwinkelte, über Treppen verbundene und teils im Halbdunkel liegende Gässchen führte der Weg an der Catedral Sé Patriarcal vorbei zur Praça do Comércio. Dort genoss man ein gemeinsames Mittagessen mit Blick auf den Fluss. Der Rest des Nachmittags stand zur freien Verfügung und konnte beispielsweise genutzt werden, um in der nahe gelegenen Markthalle die vielfältigen lokalen Spezialitäten (etwa die berühmten Pastéis de Nata) zu kosten, eine Fahrt mit der historischen Linie 28 (oder der fast gleich fahrenden, aber weniger überfüllten Linie 12) zu unternehmen oder die Avenida da Liberdade entlang zu flanieren und in den zahlreichen Geschäften zu beiden Seiten zu bummeln. Und obwohl die meisten Teilnehmer eigene Wege durch Lissabon suchten und fanden, traf man sich abends wie selbstverständlich zum Absacker in der Hotelbar.

Die Reiseteilnehmer im Innenhof des Hieronymitenkloster

Die Reiseteilnehmer im Innenhof des Hieronymitenkloster

Tag 3 der Reise führte zunächst in den Stadtteil Belém (Bethlehem), dessen wichtigste Sehenswürdigkeit das zum Weltkulturerbe gehörende Mosteiro dos Jerónimos (Hieronymitenkloster) ist. Erbaut wurde das Kloster zu Beginn des 16. Jahrhunderts, kurz nachdem Vasco da Gama von seiner ersten Indienreise zurückgekehrt war. Nachdem es bis 1834 die Hieronymiten beherbergt und auch das große Erdbeben von 1755 überstanden hatte, wurde es Anfang des 19. Jahrhunderts von Napoleon Bonapartes Truppen verwüstet. Bis 1940 diente es danach als Waisenhaus, bevor es 1983 zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Neben zahlreichen Königsgräbern sowie dem Grab Vasco da Gamas beeindruckt es durch seinen märchenhaft verspielten Kreuzgang. Nach der Besichtigung des Klosters war der Torre de Belém, ebenfalls seit 1983 Teil des Weltkulturerbes und eines der bekanntesten Wahrzeichen Lissabons, das nächste Ziel. 1521 als Teil einer beim großen Erdbeben teilweise zerstörten Wehranlage erbaut, versinnbildlicht der Turm die Glanzzeit des portugiesischen See- und Handelsimperiums. Die Form des Turms ist stark beeinflusst von nordafrikanischen Stilen, mit maurischen Wachtürmen und dekorativen Zinnen. Am Rio Tejo entlang führte der Weg dann zur dritten Station des Tages, dem am Flussufer gelegenen Padrão dos Descobrimentos. Dieses Denkmal erinnert an die Zeit der Entdeckungen und zeigt 33 wichtige Persönlichkeiten aus der Geschichte Portugals, allen voran ihren berühmtesten Seefahrer, Vasco da Gama, der 1498 den Seeweg nach Indien entdeckt hatte. Zurück im Zentrum Lissabons, stand der Rest des Tages zur freien Verfügung, bevor der Abend in einem traditionellen Fado-Lokal ausklang. Der Fado (vom lateinischen „fatum“, Schicksal) ist Ausdruck der Saudade – der Sehnsucht. Fadosänger besingen ihre Liebe, ihre Stadt, die Leiden des Lebens oder üben Kritik an Gesellschaft und Politik.

Ponte Vasco da Gama über den Rio Tejo

Die Ponte Vasco da Gama über den Rio Tejo ist mit 17,2 km eine der längsten Brücken der Welt

Am letzten Reisetag stand der Besuch des Parque das Nações (Park der Nationen) auf dem Programm. Auf dem ehemaligen Gelände der Expo 1998 befindet sich das größte Ozeanarium Europas, zugleich das zweitgrößte der Welt. Während in einem großen zweistöckigen Hauptbecken zahlreiche Meeresbewohner wie etwa Haie oder Rochen hautnah zu bewundern sind, finden sich in zahlreichen kleineren Aquarien etliche Arten aus allen Meeren, Seen und Flüssen der Welt. Wieder zurück „an Land“ ging es mit der Seilbahn am Ufer des Rio Tejo entlang zum Vasco-da-Gama-Turm, der seit der Weltausstellung als Luxushotel genutzt wird. Von den Gondeln aus hat man einen wunderbaren Blick auf den Park sowie auf die Ponte Vasco da Gama, mit über 17 km eine der längsten Brücken der Welt. An der Kopfstation der Seilbahn wartete dann bereits der Bus, der die Reisegruppe nach drei erlebnisreichen Tagen mit schönstem Spätsommerwetter zum Flughafen brachte, um die Heimreise nach Schnaittach anzutreten.