Kultur und Wiener Schmäh…

Die Teilnehmer der Kulturreise auf den Stufen des Schlosses Belvedere

Die Teilnehmer der Kulturreise auf den Stufen des Schlosses Belvedere

Als Highlight zum Ausklang der Tennissaison unternahm der TC Schnaittach eine viertägige Kulturreise nach Wien. Während bei der Abfahrt an der Hopfensiegelhalle am Bürgerweiher noch Nebel über dem Land lag, löste sich dieser immer weiter auf, je näher man Wien kam. Nach dem Bezug des Quartiers unweit von Schloss Belvedere stand am Abend gleich der Besuch des Praters auf dem Programm. Bei der obligatorischen Fahrt im Riesenrad wurden die Teilnehmer mit Sekt begrüßt und konnten von oben einen wunderbaren Blick auf das stimmungsvoll erleuchtete Wien genießen. Zum Abendessen traf man sich wieder im Hotel und beendete mit dem schon traditionellen „Absacker“ den Abend in der Hotelbar.

Der nächste Tag begann mit einer Stadtbesichtigung. Erstes Ziel war das nahe gelegene Schloss Belvedere (ital. „schöne Aussicht“), eine Anfang des 18. Jahrhunderts für Prinz Eugen von Savoyen in Hanglage erbaute Barockanlage. Von der Terrasse des „Oberen Belvedere“ bot sich an diesem schönem Herbstmorgen ein eindrucksvoller Blick auf das Wiener Zentrum. Die anschließende Stadtrundfahrt führte zunächst um den Stadtpark herum und über die Ringstraße unter anderem an Konzerthaus, Staatsoper, Albertina, Hofburg, kunsthistorischem Museum, Parlament, Rathaus, Votivkirche sowie dem Burgtheater vorbei und über die Ringstraße mit ihren Prachtbauten am Donaukanal entlang. Nach einem kurzen Stopp beim Hundertwasserhaus, das als reines Mietswohnhaus errichtet wurde und auf Wunsch des Künstlers unrenoviert mit den Bewohnern „altern“ soll, führte der Weg kurz über die Donau und auf dem Rückweg am Prater vorbei zum Stephansdom, von den Wienern liebevoll „Steffl“ genannt.

Nach der Mittagspause stand zunächst die Führung durch die Katakomben auf dem Programm, in deren in 30 Grabkammern die Gebeine von mehr als 10.000 Toten ruhen. Das Innere der von 1137 bis 1170 erbauten Stephanskirche, die erst 1469 zur Kathedrale erhoben wurde, unterteilt sich in drei Schiffe. Im Hauptschiff befindet sich der barocke Hochaltar, dessen Hauptmotiv die Steinigung des Hl. Stephans ist. Von den vielen Nebenaltären ist der Wiener Neustädter Altar aus dem Jahr 1447, ein Flügelalter mit Szenen aus dem Leben der Hl. Jungfrau Maria, wohl der bedeutendste. Auf der Westempore ist vor allem die vom Wiener Orgelbauer Johann Kauffmann in den 50er Jahren erbaute Monumentalorgel mit ca. 10.000 Pfeifen sehenswert, wenngleich seit Errichtung der Domorgel 1991 im Seitenschiff nicht mehr in Gebrauch.

Nach der Dombesichtigung führte der Weg durch den Graben, Wiens edelste Flaniermeile, und vorbei am berühmten Café Demel zur Hofburg. Neben einem kurzen Besuch des Heldenplatzes und einem Blick auf die Lipizzaner der Spanischen Hofreitschule entschloss sich die Stadtführerin spontan zur Besichtigung der um 1330 erbauten Augstinerkirche. Dort heiratete nicht nur Franz Josef I. 1854 seine „Sisi“, sondern dort befindet sich auch eine der feinsten Orgeln Wiens, die auch für Konzerte genutzt wird. Da während des Kirchenbesuchs eine Probe stattfand, konnte man einen Eindruck eines solchen musikalischen Highlights gewinnen. Den Abend verbrachte man beim Heurigen Maly in Grinzing, wo zu jungem Wein und Schrammelmusik eine deftige Spezialitätenplatte serviert wurde.

Tags darauf stand die Besichtigung des Wiener Zentralfriedhofs auf dem Programm. Hier befinden sich die Denkmäler und Ehrengräber wichtiger Wiener Persönlichkeiten, etwa von Mozart, Beethoven, Schubert, Brahms oder Strauss Vater und Sohn, aber auch von Hans Moser, Curt Jürgens, Udo Jürgens oder Falco. Die auf dem Friedhof gelegene und Anfang des 20. Jahrhunderts nach Entwürfen des Architekten Max Hegele errichtete Kirche zum Heiligen Karl Borromäus gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke des Wiener Jugendstils. Vor allem die in blau und Gold gehaltene Kuppel, die als Sternenhimmel die Genesis und die Allmacht Gottes symbolisiert, sowie der modern gestaltete Altar sind sehenswert. Nach einem gemeinsamen Mittagessen stand der Rest des Nachmittags zu freien Verfügung und konnte etwa genutzt werden, um im Café Sacher dessen weltberühmte Torte zu kosten und das Flair eines Wiener Kaffeehauses auf sich wirken zu lassen. Am Abend besuchten etliche Teilnehmer der Kulturreise die Aufführung von Gaetano Donizettis komischer Oper „Don Pasquale“ in der Staatsoper.

Der letzte Tag begann mit dem Besuch von Schloss Schönbrunn, der ehemaligen Sommerresidenz der Kaiserfamilie. Sie zählt zu den schönsten Barockanlagen und wurde 1996 von der Unesco als Weltkulturerbe eingestuft. Bei einer Führung konnte man das höfische Leben kennenlernen. Dabei erfuhr man, dass Franz Joseph I. seine „Sisi“ zwar zeitlebens über alles geliebt hatte, während sie ihrerseits mit ihrer frühen Vermählung und dem strengen Spanischen Hofzeremoniell, zu dem sie ihre Schwiegermutter Erzherzogin Sophie drängte, recht unglücklich gewesen ist. Nach der Führung bestand noch Gelegenheit, die Gartenanlage zu besichtigen, die auch den ältesten Tierpark der Welt beherbergt. Gegen Mittag trat man dann die Heimreise durch die Wachau an, die sich bei strahlendem Sonnenschein in den herrlichsten Herbstfarben präsentierte. Beim Benediktinerkloster Stift Melk, der größten Klosteranlage des österreichischen Barocks aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und seit 2000 ebenfalls Unesco-Weltkulturerbe, wurde der Heimweg für eine kurze Rast unterbrochen. Nach einem Imbiss im Stiftsrestaurant und gegebenenfalls einem Spaziergang im Park nahm man die letzten beiden Etappen in Angriff und erreichte Schnaittach am frühen Abend.