Pilsen – Europäische Kulturhauptstadt 2015

Die Reisegruppe vor dem historischen Rathaus Pilsens

Die Reisegruppe vor dem historischen Rathaus Pilsens

Die zweitägige Kulturreise des TC Schnaittach führte die Teilnehmer heuer nach Pilsen, eine der beiden europäischen Kulturhauptstädte 2015. Lag bei der Abfahrt am frühen Samstagmorgen noch Nebel über dem Land, hatte die warme Herbstsonne bis zur Ankunft in Pilsen am späten Vormittag die Wolken bereits vertrieben. Das erste Highlight des Tages war die Besichtigung der Pilsner-Urquell-Brauerei. Nach einem kurzen Abstecher zur Abfüllanlage wurden die Besucher mit der Geschichte des Pilsner Bieres vertraut gemacht. Unzufrieden mit der damaligen Bierqualität, hatten sich die brauberechtigten Bürger zur Errichtung einer neuen Brauerei entschlossen, um im „Bürgerlichen Brauhaus“ ab 1842 ein modernes untergäriges Bier zu brauen. Kenntnisse und Erfahrungen wurden seit dem ersten Braumeister, dem aus Bayern stammenden Josef Groll, von Generation zu Generation weitergegeben. 1898 wurde schließlich die Schutzmarke „Pilsner Urquell“ eingetragen und bald die Schallgrenze von einer Million Hektoliter pro Jahr durchbrochen. Beim Rundgang durch das Brauereimuseum konnten die angehenden Pils-Kenner verschiedene Gersten- und Hopfensorten probieren, bevor in den ausgedehnten Bierkellern ein ungefiltertes, nichtpasteurisiertes „Pilsner“ verkostet wurde.

Beim Mittagessen in einem urigen Altstadtlokal genossen die Teilnehmer einige Spezialitäten der böhmischen Küche, wie zum Beispiel Gulasch mit Speckknödeln oder Schweinebraten mit Kraut. Die sich anschließende Stadtführung vermittelte der Reisegruppe zunächst die Geschichte Pilsens und seiner Industrie. Schon kurz nach ihrer Gründung im Jahre 1295 durch König Wenzel II. war die an der Kreuzung der Landwege nach Regensburg und Nürnberg gelegene Stadt ein wichtiges Handelszentrum. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts führten die Gründung der Bürgerbrauerei und der Škoda-Werke zu einem starken wirtschaftlichen Aufschwung; beide sind noch immer bedeutende Wirtschaftsfaktoren für den Standort. Die Stadt ist heute auch Sitz der Westböhmischen Universität sowie des Bistums. Die Besichtigung der gotischen Kathedrale St. Bartholomäus mit ihrem berühmten Turm und der folgende Rundgang an der barocken Pestsäule vorbei um den historischen Stadtkern herum rundeten die Führung ab. Der Abend stand zur freien Verfügung, um beispielsweise das reichhaltige Pilsner Nachtleben zu erforschen. Etliche Teilnehmer besuchten stattdessen die umjubelte Premiere von Giacomo Puccinis Oper „Edgar“ im J.-K.-Tyl-Theater, die vom Publikum mit kaum enden wollendem Applaus und etlichen „Vorhängen“ bedacht wurde.

Tags darauf stand die Besichtigung des unweit von Pilsen gelegenen Jagdschlosses Kozel auf dem Programm. Ende des 18. Jahrhunderts wurde es als einstöckiges, aus vier Flügeln bestehendes Gebäude um einen rechteckigen Innenhof erbaut. Später wurden Pferdestall und Reithalle sowie eine Kapelle ergänzt. Im Inneren befinden sich unter anderem bedeutende Sammlungen kostbaren Porzellans und alter Schriften. Nach der Besichtigung des Schlosses und seiner Räumlichkeiten konnten die Reiseteilnehmer den weitläufigen Schlosspark mit seinem idyllisch gelegenen See erkunden.

Nach dem Mittagessen in Pilsen ging es weiter nach Karlsbad, das 1370 von Kaiser Karl IV. zur Königstadt erhoben wurde. Schon damals war die heilende Wirkung der Thermalquellen bekannt. Ihre Nutzung für Kuren wurde im 18. Jahrhundert durch den Arzt David Becher entscheidend gefördert, und während der österreichisch-ungarischen Monarchie war die Stadt einer der meistbesuchten Kurorte. Nach einem Rundgang durch die malerische Altstadt fanden sich etliche Teilnehmer – fast wie abgesprochen – im Café des Grandhotel Pupp ein, um seine leckeren Kuchen und Torten zu genießen. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit trat man schließlich die Heimreise an und erreichte Schnaittach am frühen Abend.