Istanbul – Tor vom Okzident zum Orient

Die Teilnehmer der Kulturreise vor dem Boarding zur Bosporus-Rundfahrt

Die Teilnehmer der Kulturreise vor dem Boarding zur Bosporus-Rundfahrt

Nach der „kleinen“ Kulturreise nach Heidelberg im Jahr zuvor stand turnusgemäß wieder eine kulturelle Fernreise an. Ziel war diesmal Istanbul, das am Bosporus gelegene Tor vom Okzident zum Orient. Um schon am Tag der Anreise einen ersten Eindruck der Stadt zu erhalten, erfolgte der Hinflug bereits früh am Morgen. Gleich nach der Landung auf dem Atatürk-Flughafen und der Begrüßung durch die Reiseleiterin begann eine erste Stadtrundfahrt. Nördlich an der Altstadt vorbei führte der Weg zunächst über das Goldene Horn, einen Meerbusen, der das historische Istanbul von der modernen, europäisch geprägten Neustadt trennt. Über die 1622 Meter lange, den Bosporus überspannende Atatürk-Brücke führte die Tour weiter zu einem hoch gelegenen Aussichtspunkt auf der asiatischen Seite, von dem sich ein schöner Ausblick auf die Meerenge bot. Nach längerem Aufenthalt fuhr man zurück in die Altstadt und besichtigte den weltberühmten Großen Basar, in dem sich rund 3600 Geschäfte befinden. Mancher Teilnehmer ließ sich vom orientalischen Flair – oder auch von den umtriebigen Händlern – einfangen und zu einem ersten Souvenirkauf animieren. Anschließend erfolgte der Transfer ins außerhalb der Stadt gelegene Hotel, wobei die Reisegruppe gleich einen Eindruck von Istanbuls dichtem Verkehr mit seinen zahlreichen Staus gewinnen konnte.

Tags darauf brach man deshalb zeitig in Richtung Altstadt auf, um dem allmorgendlichen Berufsverkehr zu entgehen. Unter anderem wegen der nicht unerheblichen Verkehrseinflüsse wurde das ursprünglich geplante Reiseprogramm flexibel gehandhabt und die einzelnen Programmpunkte täglich neu arrangiert. Als erstes stand deshalb am zweiten Tag die Besichtigung des Topkapı-Palastes an, von 1540 bis 1839 Residenz der türkischen Sultane. Auf gut 70 Hektar erstreckt sich eine dreifach ineinander verschachtelte Stadt in der Stadt, in deren innerstem Ring sich der Harem befindet. Heute dient der Palast als Museum und beherbergt zahlreiche kunst- und kulturhistorisch wertvolle Sammlungen; unter anderem befindet sich dort eine der ältesten Koranausgaben. Nach der Besichtigung des Palastes stand eine Exkursion in die nahe gelegene Yerebatan-Zisterne an, in der in früherer Zeit das über Aquädukte herangeführte Wasser unterirdisch gespeichert wurde. Ihre 336 schummrig erleuchteten, mit Kapitellen verfallener ionischer und korinthischer Tempel verzierten Granitsäulen vermittelten ein Gefühl von Unterwelt – und Wagemutige konnten auch einen Blick auf die versteinerte Medusa werfen.

Nach dem Mittagessen standen die Besichtigung der Hagia Sophia sowie der Blauen Moschee an. Der Bau der Hagia Sophia wurde bereits 532 unter Kaiser Justinian begonnen und war fast 1000 Jahre lang der größte Sakralbau der Christenheit, bis er schließlich vom Petersdom übertroffen wurde. Nach dem Fall Konstantinopels wurde die Kirche zur Moschee und erhielt im Laufe der Zeit vier Minarette, die noch heute ihr Aussehen prägen. Bis zum Bau der Blauen Moschee war die Hagia Sophia die Hauptmoschee der Osmanen. 1934 wurde sie schließlich von Atatürk in ein Museum umgewandelt, das heute einer der größten Besuchermagneten der Stadt ist und unter dem Ansturm von täglich mehr als 10.000 Touristen auch erheblich leidet. Die Sultan-Ahmet-Moschee (besser bekannt als „Blaue Moschee“) wurde Anfang des 17. Jahrhunderts von Sultan Ahmet gestiftet. Ihre Wände sind mit prachtvollen blau-grünen Mosaiken verkleidet, wodurch sich der namensgebende Farbton im Inneren einstellt. Der Innenraum mit seiner 43 Meter hohen und 22 Meter durchmessenden Hauptkuppel, die von aufsteigenden Halbkuppeln umgeben ist, ist von beeindruckender Harmonie. Der Tag endete mit einem kurzen Besuch des Hippodrom-Platzes, seinerzeit Pferderennbahn, mit seinen zwei Obelisken und einer 2500 Jahre alten, kopflosen Schlangensäule, die sich bis zum 4. Jahrhundert vor dem Apollon-Tempel in Delphi befand. Bei der Rückfahrt ins Hotel unternahm man noch einen kurzen Spaziergang über die das Goldene Horn überspannende Galatabrücke, auf der im nächtlichen Dunkel etliche Angler ihr Glück versuchten.

Der dritte Tag begann mit dem Besuch der von Sultan Süleyman dem Prächtigen gestifteten Süleymaniye-Moschee. Ihr Innenhof ist von Säulen aus rosafarbenem Marmor umrahmt, und der 3500 Quadratmeter große Innenraum mit seiner 27 Meter durchmessenden Hauptkuppel strahlt eine erhabene Weite aus. Im nahe gelegenen Ägyptischen Basar, besser als „Gewürzbasar“ bekannt, erwartete die Reisegruppe ein verführerisches Potpourri aus exotischen Gewürzen, Tee, türkischem Honig und orientalischen Spezialitäten. Nicht wenige ließen sich vom Flair dieses aus dem 17. Jahrhundert stammenden Basars verführen und erwarben Gewürze (darunter echten Safran) oder Naschwerk. Am Nachmittag bestand Gelegenheit, den im 19. Jahrhundert errichteten, recht europäisch anmutenden Şale-Pavillon zu besichtigen. Das zweistöckige Holzschlösschen diente früher zahlreichen ausländischen Würdenträgern als Gästequartier. Die prächtigen Säle und Salons beinhalten größtenteils noch das Originalmobiliar, und im Empfangssaal beeindruckt ein riesiger, von 60 Frauen geknüpfter Hereke-Teppich. Am späten Nachmittag besuchte man Ortaköy, einen quirligen Stadtteil unterhalb der Galatabrücke mit zahlreichen Galerien, Kneipen und gemütlichen Cafés. Nach dem Abendessen bestand noch Gelegenheit, über den Taksim-Platz zu schlendern, auf dem sich an den Wochenenden halb Istanbul zu treffen scheint.

Am nächsten Tag stand ein Ausflug mit dem Linienschiff nach Büyükada, der größten der Istanbul vorgelagerten Prinzeninseln, auf dem Programm. Die Inseln sind heute Naherholungsgebiet und Sommerresidenz der Istanbuler Oberschicht und außerhalb der Sommermonate ein eher stiller Ort. Seitdem auf Büyükada allerdings einige Fernsehserien produziert wurden, finden das ganze Jahr über zahlreiche Fans aus dem Nahen Osten den Weg dorthin, um die Schauplätze ihrer geliebten türkischen Seifenopern aufzuspüren. Nach der Rückkehr unternahm man mit der Seilbahn einen Abstecher zu dem oberhalb der Eyüp-Sultan-Moschee gelegenen Pierre-Loti-Café, von dem sich ein atemberaubender Ausblick auf das Goldene Horn und die abendlich erleuchtete Stadt zu beiden Seiten bot. Den Tag beschloss ein Folkloreabend mit traditionellen Tänzen und Bauchtanz.

Der Rückreisetag begann mit einer Bootsrundfahrt über den Bosporus. Entlang der europäischen Seite passierte man die beiden Bosporusbrücken (eine dritte befindet sich in Planung) und genoss die Aussicht auf teils historische, teils moderne Stadtviertel. An der schmalsten Stelle beherrscht eine alte Festungsanlage die Meerenge. Die Rückfahrt erfolgte auf der asiatischen Seite, auf der sich schmucke Häuschen an die steil aufsteigenden Hänge schmiegen. Nach der Ankunft im Hafen brach man Richtung Flughafen auf, jedoch nicht ohne einen Zwischenstopp an der historischen Stadtmauer einzulegen. Die Theodosianische Mauer schützte in drei aufeinander gestaffelten Wehranlangen das frühere Konstantinopel lange Zeit erfolgreich vor seinen zahlreichen Feinden und wurde erst mit Aufkommen der ersten Kanonen bezwungen. Heute nutzen die Istanbuler das Areal des ehemaligen Wassergrabens zum Gemüseanbau. Nach nur kurzer Fahrt erreichte man schließlich den Flughafen und war am frühen Abend mit etlichen neuen Eindrücken wieder zurück in Schnaittach.