Barcelona, Hauptstadt des Modernismus

Barcelonas Messezentrum an der verkehrumtosten Plaça d'Espanya

Barcelonas Messezentrum an der verkehrsumtosten Plaça d’Espanya

Nach der Kulturfahrt des letzten Jahres ins nahe gelegene Passau führte die Kulturreise 2007 des TC Schnaittach wieder zu einem weiter entfernten Ziel: Barcelona, pulsierende Hauptstadt Kataloniens und zugleich Hauptstadt des Modernismus, der katalanischen Ausprägung des Jugendstils.

Nach der Landung auf Barcelonas Flughafen El Prat wurde die Reisegesellschaft von der deutschsprachigen Führerin begrüßt. Mit dem Bus ging es dann Richtung Stadtzentrum, wo sich gleich eine erste Stadtrundfahrt anschloss. So erhielten die Reiseteilnehmer schon einen Vorgeschmack auf das reichhaltige Programm, das sie in den nächsten Tagen erwartete: die Altstadt mit ihrer berühmten Flaniermeile „Las Rambles“, die Neustadt Eixample, Barceloneta mit dem Hafen sowie den Berg Montjuïc mit dem Olympiagelände. Nach der Ankunft im Hotel Front Maritím ging es nach einer kurzen Erfrischungspause weiter zum Palau Nacional, vor dem sich der Font Màgica befindet. Zu klassischer und moderner Musik boten die farblich wechselnden Wasserfontänen des Brunnens gleichermaßen Genuss für Augen und Ohren. Der Abend klang mit einem reichhaltigen Abendessen im Restaurant „La Fonda del Port Olímpic“ am olympischen Yachthafen aus, bei dem die Reiseteilnehmer eine Auswahl von Köstlichkeiten der katalonischen Küche kennen lernten.

Der zweite Reisetag begann mit einer ausführlicheren Stadtrundfahrt, bei dem vor allem Barcelonas berühmte Künstler und Architekten, insbesondere Joan Miró und Antoni Gaudí, im Fokus standen. Erste Station war das Museum Fundació Juan Miró, in dem zahlreiche Gemälde, Wandteppiche und Skulpturen dieses Künstlers zu sehen sind. Viele seiner Werke sind von heiterer Atmosphäre, wobei die Farben rot, blau und gelb dominieren. Nach der Rückfahrt ins Zentrum wurde die Reisegruppe mit dem Altstadtviertel Barri Gòtic vertraut gemacht. An der Plaça de la Seu vor der Catedral de Santa Eulàlia wurde Sardana, der während der Herrschaft Francos verbotene katalanische Volkstanz, getanzt. Durch enge und teils winklige Gassen führte der Weg über die Plaça de Sant Jaume, an der sich sowohl der Sitz der katalanischen Regierung als auch Barcelonas Rathaus befinden, die stilvolle Plaça Reial weiter zur Flaniermeile „Las Rambles“. Nach dem Mittagessen, das im nahe gelegenen Restaurant „La Fonda“ eingenommen wurde, stand der Rest des Tages zur freien Verfügung und lud bei schönstem Herbstwetter zum Bummeln auf den Rambles oder im Hafenviertel Barceloneta mit seinen zahlreichen Tapas-Bars und Restaurants ein.

Mit der U-Bahn ging es am dritten Reisetag ein weiteres Mal ins Altstadtviertel Barri Gòtic. Dabei stand unter anderem der Besuch des Palau Reial Major, einst Residenz der katalanischen Könige und jetzt stadthistorisches Museum, und der Catedral de Santa Eulàlia auf dem Programm. Mit dem Bau der Kathedrale wurde Ende des 13. Jahrhunderts begonnen, vollendet wurde sie Mitte des 15. Jahrhunderts. Geweiht ist die Kathedrale der ehemaligen Stadtpatronin Santa Eulàlia, deren Gebeine in der Krypta unterhalb des Altars in einem kostbaren Alabastersarg ruhen. Eine weitere Station war die Markthalle Mercat de la Boqueria, die mit mehreren hundert liebevoll dekorierten Ständen auf 6000 Quadratmetern ein überwältigendes Angebot von Waren allerhöchster Qualität beherbergt – ein Genuss für alle Sinne!

Innenhof der Casa Milà und Treppenhaus auf der Dachterrasse

Innenhof der Casa Milà und Treppenhaus auf der Dachterrasse

Der Nachmittag stand erneut zur freien Verfügung und bot unter anderem Gelegenheit zum Einkaufen, etwa in Spaniens größter Kaufhauskette El Corte Inglés, ließ aber auch Zeit zur Erforschung des Modernismus-Viertels Eixample. An der Passeig de Gràcia liegen unweit der Altstadt zwei berühmte, von Antoni Gaudí erbaute Häuser des Modernismus: die Casa Batlló und die Casa Milà. Letztere wurde 1984, als erstes Gebäude des 20. Jahrhunderts, von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgewiesen und wird vom Volksmund wegen seiner an Felsformationen erinnernden Fassade etwas respektlos auch „La Pedrera“ (der Steinbruch) genannt. Die Architektur war für ihre Zeit durchaus revolutionär: durch eine tragende Beton-Eisen-Konstruktion konnte auf Stützwände verzichtet werden, weshalb sich für die im Gebäude befindlichen Wohnungen beliebige Grundrisse realisieren ließen; drei Innenhöfe bringen Tageslicht in innen liegende Zimmer; und ein ausgeklügeltes Belüftungssystem sorgt auch ohne Klimaanlage für angenehme Raumtemperaturen. Die Belüftungsschächte und Treppenhäuser auf der Dachterrasse sind in der für Gaudí typischen runden, fast verspielten, manchmal exotisch wirkenden Formensprache gehalten. Die Casa Milà war das letzte große Werk Gaudís, bevor er all seine Schaffenskraft der Sagrada Família widmete.

Am vierten und letzten Tag in Barcelona stand erneut eine Stadtrundfahrt auf dem Programm, diesmal mit Schwerpunkt der modernistischen Architektur. Erste Station war der ebenfalls von Antoni Gaudí im Auftrag seines Freundes und Förderers Eusebi Güell im Stile einer Gartenstadt nach englischem Vorbild gestaltete Parc Güell. Als schließlich die ursprünglich geplanten 60 Villen keine Abnehmer fanden, wurde die Anlage 1922 als Park eröffnet und ist seit 1984 ebenfalls Teil des Weltkulturerbes der UNESCO. Architektonisch passte sich Gaudí geschickt der Hanglage an und vermied größere Erdbewegungen zugunsten von Stützmauern und Terrassen, die sich aufgrund ihrer organischen Form einzigartig in das Gelände einfügen. Bekannt ist vor allem die gewundene Bank mit Bruchkeramikmosaiken auf der großen Terrasse, aber es finden sich auch viele kleine Details, die vor allem Kinder begeistern. Der Park beherbergt auch Gaudís Wohnhaus, in dem er bis zu seinem Tod 1926 lebte.

Türme des Tempels der Heiligen Familie (La Sagrada Família)

Türme des Tempels der Heiligen Familie (La Sagrada Família)

Die größte Attraktion Barcelonas ist aber zweifellos der Tempel der Heiligen Familie, La Sagrada Família. Begonnen 1882 als neogotischer Bau, übernahm Gaudí nach einem Jahr die architektonische Leitung und konzentrierte sich ab 1911 ausschließlich auf dieses Bauvorhaben, dem er insgesamt 43 Jahre seines Lebens widmete. Die Arbeiten an der Sagrada Família ruhten während der Zeit des spanischen Bürgerkrieges und wurden erst 1952 wieder aufgenommen. Noch heute wird kontrovers darüber diskutiert, ob der Tempel vollendet werden oder, da Gaudís Originalpläne und Modelle während des Bürgerkrieges größtenteils zerstört wurden, in seinem heutigen, unfertigen Zustand belassen werden sollte. Die berühmte Ostfassade der Sagrada Família, von Gaudí selbst konzipiert und zusammen mit der Krypta seit 2005 Teil des Weltkulturerbes seiner Arbeiten, zeigt in naturalistischen Skulpturen die Geburt Christi. Die vom katalanischen Künstler Josep Maria Subirachs gegen Ende des letzten Jahrhunderts gestaltete Westfassade zeigt mit seltsam emotionslos anmutenden Figuren die Leidensgeschichte und den Tod Christi. Seit Baubeginn wird der Tempel ausschließlich aus Spenden und Stiftungen finanziert und man hofft, zum 125-jährigen Jubiläum der Grundsteinlegung den Innenraum fertig stellen und zum 100. Todestag Gaudís den Bau vollenden zu können. Von den geplanten 18 konisch zulaufenden Türmen, welche die 12 Apostel, die vier Evangelisten, die Jungfrau Maria und Jesus Christus selbst repräsentieren sollen, sind gegenwärtig erst acht der Aposteltürme vorhanden, je vier an jeder Fassade.

Vor der Rückfahrt zum Flughafen und der Heimreise besichtigten die Reiseteilnehmer noch den Olympiapark und El Poble Espanyol. Letzteres ist eine kleine Dorfanlage, die zur Weltausstellung 1926 angelegt wurde und dem Besucher auf wenigen Quadratkilometern über 100 charakteristische Gebäude und typische Baustile Spaniens im Kleinformat präsentiert. Dort nahm man im Restaurant „Tip Top“ gemeinsam ein Mittagsbuffet zu sich, bevor die Rückfahrt zum Flughafen erfolgte und der Rückflug nach Nürnberg angetreten wurde. Mit Zwischenstopp über Las Palmas erreichte die Reisegruppe gegen Mitternacht schließlich wohlbehalten die Heimat.