Zwischen Stephansdom und Gläsernem Wald

Die Teilnehmer der Kulturreise im Gläsernen Wald bei der Burgruine Weißenstein

Die Teilnehmer der Kulturreise im Gläsernen Wald bei der Burgruine Weißenstein

Nach der Flugreise in die ungarische Hauptstadt Budapest im letzten Jahr stand diesmal wieder ein näher liegendes Reiseziel auf dem Programm: Die Kulturreise 2006 führte Mitglieder und Freunde des TC Schnaittach in die Dreiflüssestadt Passau und in den Bayerischen Wald.

Obwohl die Fahrt bei herbstlichem Nebel und wolkenbedecktem Himmel begann, zeigten sich bei der Ankunft in Passau schon die ersten Wolkenlücken, und vereinzelt schien sogar schon die Sonne durch. Das erste Ziel des Tages war der Stephansdom in Passau, in dem sich mit 233 klingenden Registern und 17.974 Pfeifen sowie vier Glockenspielen die größte Kirchenorgel der Welt und zugleich die größte Orgel Europas befindet (die größte Orgel der Welt mit über 32.000 Pfeifen befindet sich in der Convention Hall von Atlantic City, New Jersey, in den Vereinigten Staaten). Bei einem halbstündigen Konzert mit Werken von Edward Elgar, Olivier Messiaen, Johannes Brahms und Alexandre Guilmant konnten sich die Teilnehmer von der klanglichen Qualität dieses außergewöhnlichen Instruments überzeugen. Beeindrucken konnte auch der barocke Innenraum des Doms, der größte italienischer Prägung nördlich der Alpen, mit seinem üppigen Stuckwerk, Fresken und Altaraufbauten.

Der Nachmittag begann mit einer Führung von der Uferpromenade durch die Passauer Altstadt zum Domplatz. Die Altstadt liegt auf einer schmalen Halbinsel am Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz. Nachdem eine Feuersbrunst im 17. Jahrhundert die Stadt in Schutt und Asche gelegt hatte, wurde Passau vor allem mit Hilfe italienischer Baumeister wieder aufgebaut und erhielt dadurch sein südländisch anmutendes, barockes Flair. Bereits am Fuße der höher gelegenen Altstadt konnte man die Hochwassermarkierungen der in Ufernähe gelegenen Gebäude bestaunen. Durch den Zusammenfluss der drei Flüsse treten vor allem zur Zeit der Schneeschmelze in Abständen von 30 bis 40 Jahren immer wieder extreme Hochwasser auf, bei denen er Wasserspiegel fast bist an die Obergeschosse heranreicht; in Ufernähe ist deshalb das Wohnen im Erdgeschoss untersagt. Durch steile und enge Gassen – etwa die berühmte Höllgasse, in der vor allem Kunsthandwerk anzutreffen ist – führte der Weg über den Römerplatz am historischen Rathaus vorbei weiter zum Residenzplatz mit dem Wittelsbacher-Brunnen. Nach einem kurzen Abstecher in die bischöfliche Residenz mit dem Domschatz und Diözesanmuseum sowie ihrem prächtigen Rokoko-Treppenhaus endete die gleichermaßen lehrreiche wie kurzweilige Stadtführung auf dem Domplatz.

Der Abend stand im Zeichen einer Kabarettveranstaltung, „Cavewoman“, in der Passauer Redoute. In diesem vergnüglichen Zweiakter wurde Themen wie Liebe, Geschlechterkampf und Rollenverteilung von Mann und Frau auf die Spitze getrieben und zugleich auf den Punkt gebracht. Im Passauer Stiftskeller ließen die Reiseteilnehmer den Abend schließlich mit einen kleinen Imbiss und Wein aus dem stiftseigenen Weinberg gemütlich ausklingen.

Die Rokoko-Kirche des Stifts Engelszell

Die Rokoko-Kirche des Stifts Engelszell

Am Morgen des nächsten Tages zeigte sich Passau von Nebel verhüllt. Per Schiff ging es vom Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz (dem sogenannten „Dreiflüsse-Eck“), vorbei an Obernzell und dem bereits in Österreich gelegenen Donaukraftwerk nach Engelhartszell. Oberhalb des Ortes thront das Stift Engelszell, dessen Stiftskirche als eine der eindrucksvollsten Rokoko-Kirchen in Österreich gilt. Das Stift ist aber auch für seine Klosterliköre und den Trappistenkäse bekannt.

Am Nachmittag ging es mit dem Bus weiter nach Bodenmais in den Bayerischen Wald, wo die Kristallwelt Joska zum Schauen und Kaufen lockte. In der Ausstellungsglashütte konnten die Reiseteilnehmer viel Wissenswertes über das im Bayerischen Wald beheimatete Glashandwerk erfahren und sich auch selbst im Blasen eines Glasballons versuchen. Besonders faszinierte die Geschicklichkeit und Meisterlichkeit, mit der ein Glasbläser mit wenigen Handgriffen aus einem glühenden Klumpen Glas ein graziles Pferdchen zauberte.

Die letzte Station der Reise war die Burgruine Weißenstein, wo die Reiseteilnehmer als besondere Attraktion der Gläserne Wald erwartete. Am Fuße der Burgruine wächst nach dem Konzept von Rudolf Schmid auf 2000 Quadratmetern ein glitzernder, funkelnder transparenter Wald, dessen Wachstum noch lange nicht abgeschlossen ist. Ursprünglich dazu gedacht, das örtliche Glashandwerk überregional bekannt zu machen, findet der Gläserne Wald mittlerweile großen Zuspruch von Besuchern aus aller Welt. Der Besuch lohnt vor allem in der Dämmerung oder am frühen Abend, wenn die gläsernen Bäume von der untergehenden Sonne romantisch erleuchtet oder aus künstlichen Lichtquellen angestrahlt werden.

Nach diesem letzten Highlight trat die Reisegruppe die Heimreise an und erreichte mit vielen neuen und interessanten Eindrücken schließlich Schnaittach am späten Abend.